160 Gigawatt Anschlussanfragen: Was der BESS-Boom für Deutschlands Energiemarkt bedeutet

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„Wir sind Experten für Photovoltaik und Speicher für Unternehmen“

Deutschland erlebt einen Batteriespeicher-Boom, der selbst Branchenkenner überrascht. Bis Oktober 2024 wurden mehr als 160 Gigawatt Anschlussleistung für Batteriespeichersysteme allein auf Übertragungsnetzebene angefragt. Diese Zahl verdeutlicht eine fundamentale Verschiebung im deutschen Energiemarkt.

Im Jahr 2024 wurden fast 600.000 Batteriespeicher neu in Betrieb genommen, darunter Heim-, Gewerbe- als auch Großspeicher. Die Großspeicherkapazität hat sich im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. Die Netzbetreiber erteilten rund 3.800 Anschlusszusagen mit einer kombinierten Leistung von etwa 25 Gigawatt und einer Speicherkapazität von rund 46 Gigawattstunden.

Diese Zahlen zeichnen das Bild einer Branche im Umbruch. Deutschland hält 34 Prozent Marktanteil im europäischen Batteriespeichermarkt und liegt auf dem dritten Platz im Gesamtbatteriespeicherzubau in Europa für die Prognose von 2024 bis 2028.

Der Shift zu Utility-Scale verändert die Marktdynamik

Die Verschiebung hin zu großen Batteriespeichern im Versorgungsmaßstab definiert den aktuellen Boom. Der Anteil der Utility-Scale-Speicher soll bis 2028 auf 65 Prozent steigen.

Großbatteriespeicher werden ohne staatliche Förderung und rein marktgetrieben zugebaut und wirtschaftlich betrieben. Das macht den deutschen BESS-Markt zu einem Sonderfall in Europa. Während andere Länder auf Subventionen setzen, entstehen hier profitable Geschäftsmodelle durch Marktmechanismen.

Die Dimensionen der Projekte wachsen rasant. Kyon Energy baut in Alfeld einen Speicher mit 137,5 Megawatt Leistung und 275 Megawattstunden Kapazität, was zum Genehmigungszeitpunkt das größte genehmigte Speicherprojekt in Europa darstellte. Rein rechnerisch ließe sich damit eine Million Haushalte für eine Stunde mit Strom versorgen. Im April 2025 ging in Bollingstedt der größte Batteriespeicher Deutschlands mit 103,5 MW Leistung und 238 MWh Speicherkapazität in Betrieb.

Wirtschaftliche Treiber hinter dem Boom

Der Preisverfall bei Lithium-Ionen-Batterien macht Großprojekte wirtschaftlich attraktiv. Seit 2010 sind die Preise um mehr als 75 Prozent gefallen. Überkapazitäten in der Zellproduktion haben 2024 zu einem spürbaren Preisverfall bei Batteriezellen geführt.

Gleichzeitig schafft die extreme Preisvolatilität am Strommarkt den Business Case für Batteriespeicher. Im Jahr 2024 gab es über 400 Stunden mit negativen Börsenstrompreisen. Diese Volatilität macht Arbitrage-Geschäfte hochattraktiv.

Batteriespeicher kaufen Strom, wenn er billig oder negativ ist, und verkaufen ihn, wenn die Preise steigen.

Die Renditen rechtfertigen die Investitionen. Laut Frontier Economics kann Speichertechnologie die Handelskosten bis 2050 um über 12 Milliarden Euro senken. Diese volkswirtschaftlichen Einsparpotenziale ziehen institutionelle Investoren an.

Die regulatorischen Rahmenbedingungen verstärken die Attraktivität, unter anderem durch die Verlängerung der Netzentgeltbefreiung. Speicher, die bis Ende 2028 ans Netz gehen, sind für 20 Jahre von Netzentgelten befreit. Auch Umlagen entfallen oder sind reduziert. Das erhöht die Rendite und senkt die Investitionsrisiken.

Goldgräberstimmung zieht Milliarden-Investitionen an

Der französische Multi-Energie-Konzern TotalEnergies übernahm Kyon Energy und kündigte an, mehrere Milliarden Euro in den Ausbau von Speicherlösungen in Deutschland zu investieren. Diese Übernahme signalisiert das Vertrauen großer Energiekonzerne in den deutschen BESS-Markt.

Das Berliner Startup Scale Energy erreichte nur 18 Monate nach der Gründung über 1 Gigawatt dezentraler Batteriespeicherprojekte in der Entwicklung. Diese Geschwindigkeit zeigt die Dynamik des Marktes und die niedrigen Eintrittsbarrieren für spezialisierte Projektentwickler.

Nach aktuellen Marktprognosen könnte es in den nächsten zwei Jahren zu einer Verfünffachung der installierten Kapazität großer Batteriespeicher kommen. Diese Prognose basiert auf den bereits erteilten Anschlusszusagen und der Pipeline geplanter Projekte.

Die Investitionswelle verändert die Struktur des Energiemarktes. Neue Akteure drängen in den Markt, etablierte Energieversorger bauen ihre Speicherportfolios aus, und spezialisierte Asset-Manager entwickeln reine BESS-Fonds.

Regulatorische Durchbrüche beschleunigen den Ausbau

Batteriespeicher sind erst seit Kurzem ausdrücklich privilegiert, wobei mit dem Solar-Paket 1 Speicher-Netzanschlussanfragen nicht mehr nachrangig gegenüber erneuerbaren Energien behandelt werden. Der Bundestag hat die Privilegierung von Großbatteriespeichern im Außenbereich beschlossen. Diese regulatorische Änderung schafft deutlich vereinfachte Genehmigungsverfahren.

Früher mussten Projektentwickler langwierige Einzelfallprüfungen durchlaufen. Die neue Regelung beschleunigt den Genehmigungsprozess erheblich. Das reduziert Planungsunsicherheit und verkürzt die Zeit bis zur Inbetriebnahme.

Die Kombination aus wirtschaftlichen Anreizen und regulatorischen Erleichterungen hat einen perfekten Sturm für den BESS-Ausbau geschaffen. Die Rahmenbedingungen sind so günstig wie nie zuvor.

Ein Blick nach Kalifornien zeigt, wie schnell sich Speichermärkte entwickeln können. Innerhalb weniger Jahre wurden dort rund 15 Gigawatt neue Speicher installiert. Deutschland benötigt in ähnlichem Umfang 20 bis 30 Gigawatt marktoffene Speicher, die flexibel be- und entladen werden können.

 

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