Co-Located Battery Energy Storage Systems (BESS), also Batteriespeicher direkt am Standort bestehender Wind- oder Photovoltaikparks, entwickeln sich derzeit von einer strategischen Option zu einer wirtschaftlich naheliegenden Erweiterung bestehender Assets. Im Kern geht es darum, aus einem reinen Erzeugungsasset ein steuerbares Hybrid-Asset zu machen, das Erzeugung und Flexibilität am gleichen Netzanschlusspunkt kombiniert. Gerade im Bestand ist dieser Ansatz besonders attraktiv, da der Netzanschluss zunehmend zum knappsten und zugleich wertvollsten Projektbestandteil wird.
Was Co-Location bei bestehenden Parks praktisch bedeutet
Bei bestehenden Parks bedeutet Co-Location in der Praxis meist, dass der Batteriespeicher in unmittelbarer Nähe zum Umspannwerk oder direkt am bestehenden Netzverknüpfungspunkt errichtet wird, häufig als AC-gekoppelter Retrofit. Der Speicher nutzt dabei wesentliche Teile der vorhandenen Infrastruktur gemeinsam mit dem Wind- oder PV-Park. Dazu zählen unter anderem Fläche, Zuwegung, Kabeltrassen, Umspannwerk sowie grundlegende Schutz- und Anschlussstrukturen. Genau diese geteilte Infrastruktur bildet die Basis für die wirtschaftlichen Vorteile, da Entwicklungsaufwand, Genehmigungsrisiken und Realisierungszeiten im Vergleich zu separaten Speicherprojekten deutlich reduziert werden können.
Sinkende Batteriepreise verbessern CAPEX und Wirtschaftlichkeit
Ein wesentlicher Treiber für das wachsende Investoreninteresse sind die in den vergangenen Jahren deutlich gesunkenen Batteriepreise. Die geringeren CAPEX verschieben viele Projekte erstmals in einen Bereich, in dem die Renditeerwartungen realistisch erreicht werden können. Besonders im Bestand wirkt dieser Effekt stark, da der Speicher nicht isoliert betrachtet wird, sondern als Ergänzung zu einem bereits bestehenden, häufig teilamortisierten Erzeugungsasset. Dadurch verbessert sich die Gesamtwirtschaftlichkeit des Standorts, Finanzierungen werden erleichtert und Business Cases, die vor wenigen Jahren noch als zu knapp galten, werden heute bankfähig.
Geteilte Infrastruktur reduziert Entwicklungs- und Anschlusskosten
Ein weiterer zentraler Vorteil von Co-Located BESS im Bestand liegt in der Reduktion der Projektkomplexität. Viele der typischen Herausforderungen eines neuen Speicherprojekts sind bereits gelöst, da Genehmigungen, Netzanschluss und wesentliche technische Strukturen vorhanden sind. Im Vergleich zu Greenfield-Projekten sinken dadurch nicht nur die direkten Entwicklungskosten, sondern auch Zeit- und Opportunitätskosten. Für Investoren bedeutet dies eine deutlich höhere Planbarkeit und ein geringeres Entwicklungsrisiko, was sich positiv auf das gesamte Risikoprofil des Projekts auswirkt.
Preisvolatilität und negative Strompreise erhöhen Arbitrage-Potenziale
Parallel zu den technologischen und infrastrukturellen Faktoren verstärken sich die Marktanreize für Speicherlösungen. Die Preisvolatilität am Strommarkt nimmt zu, insbesondere durch hohe Einspeisung aus erneuerbaren Energien. In vielen Stunden, vor allem bei hoher PV-Erzeugung, sind die Preise sehr niedrig oder sogar negativ, während Morgen- und Abendstunden weiterhin deutliche Preisaufschläge zeigen. Ein co-located BESS kann diese Spreads gezielt nutzen, indem er in preislich ungünstigen Stunden lädt und in hochpreisigen Zeitfenstern entlädt. Damit entsteht nicht nur klassische Arbitrage, sondern auch ein wirksamer Schutz vor Cannibalization-Effekten, da der Erzeugungspark weniger gezwungen ist, Strom genau dann zu vermarkten, wenn das Angebot besonders hoch ist.
Warum Investoren Co-Located BESS im Bestand jetzt priorisieren
Die Kombination aus verbesserter CAPEX-Realität, messbaren Infrastruktur-Synergien und klaren Marktpreissignalen führt zu einem deutlich robusteren Cashflow-Profil als bei reinen Erzeugungsassets. Co-Located BESS nutzen bestehende Netzanschlüsse effizienter, erhöhen die Vermarktungsflexibilität und steigern den wirtschaftlichen Wert von Bestandsparks. Gleichzeitig werden diese Anlagen systemdienlicher und besser steuerbar, was im heutigen Strommarkt zunehmend an Bedeutung gewinnt. Aus Sicht vieler Investoren sind co-located Retrofits daher weniger ein technisches Upgrade als vielmehr eine logische Weiterentwicklung bestehender Assets unter den aktuellen Markt- und Netzbedingungen.