Die Kostenfalle Erdgas: Warum neue Kraftwerke teurer sind, als wir denken

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„Wir sind Experten für Photovoltaik und Speicher für Unternehmen“

Deutschland steht vor einer gewaltigen Weichenstellung in der Energiepolitik. Um die Versorgungssicherheit während der Energiewende zu garantieren, plant die Bundesregierung im Rahmen ihrer Kraftwerksstrategie den Neubau von mindestens 10 Gigawatt an neuen Erdgaskraftwerken. Doch eine aktuelle Kurzstudie des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) warnt: Was oft als notwendige und günstige „Brücke“ dargestellt wird, ist bei genauerem Hinsehen ein teures Risiko für Wirtschaft, Gesellschaft und Klima.

1. Die Illusion der günstigen „Brücke“

Erdgas gilt vielen Akteuren noch immer als emissionsarme und kostengünstige Übergangstechnologie. Die nackten Zahlen der betriebswirtschaftlichen Stromgestehungskosten (Investition, Betrieb, Brennstoff und $CO_2$-Preise) für das Jahr 2030 scheinen das auf den ersten Blick zu stützen:

  • Bei einem angenommenen $CO_2$-Preis von 100 €/t liegen die Kosten für ein neues Gaskraftwerk bei etwa 23 Cent pro Kilowattstunde (kWh).
  • Steigt der $CO_2$-Preis auf 150 €/t, klettern die Kosten auf etwa 28 Cent/kWh.

Doch diese Sichtweise ist unvollständig, da sie die massiven Kosten ignoriert, die der Allgemeinheit durch Klimaschäden entstehen.

2. Die „wahren“ Kosten: Bis zu 67 Cent pro kWh

Die FÖS-Studie berechnet die gesamtgesellschaftlichen Kosten, indem sie nicht-internalisierte Klimaschadenskosten einbezieht – also jene Schäden, die nicht durch den aktuellen $CO_2$-Preis im Emissionshandel abgedeckt sind. Das Ergebnis ist ernüchternd:

  • Unter Einbeziehung dieser externen Kosten steigen die Gesamtkosten auf eine Spanne von 35 bis 67 Cent/kWh.
  • Zum Vergleich: Sollten die Erdgaspreise wieder auf das Niveau der Energiekrise von 2022 klettern (ca. 127 €/MWh), würden allein die sichtbaren Stromgestehungskosten auf bis zu 53 Cent/kWh explodieren.

3. Das Methan-Problem: Klimaschädlicher als Kohle?

Ein zentraler Kritikpunkt der Studie ist die Herkunft des Erdgases. Da Deutschland etwa 95 % seines Bedarfs importiert, entstehen erhebliche Emissionen bereits in der Vorkette – also bei Förderung und Transport.

  • Besonders problematisch sind Methanemissionen. Methan ist über einen Zeitraum von 20 Jahren 86-mal treibhauswirksamer als $CO_2$.
  • Ein Großteil des flüssigen Erdgases (LNG) stammt aus den USA und wird dort mittels Fracking gewonnen, einer Methode mit besonders hohen Leckraten.
  • Studien zeigen, dass Erdgas seinen vermeintlichen Klimavorteil gegenüber Kohle bereits bei Leckraten von 2,4 % bis 3,2 % verliert. Bei Fracking-Gas liegen diese Raten oft weit darüber, was den Strom aus Erdgas im schlimmsten Fall klimaschädlicher als Kohlestrom macht.

4. Geopolitische Abhängigkeit und Preisrisiken

Die Abhängigkeit hat sich nach dem Wegfall russischer Pipelineimporte lediglich verschoben, nicht aufgelöst. Heute dominieren Importe aus Norwegen, den Niederlanden und Belgien sowie LNG-Lieferungen (hauptsächlich aus den USA).

  • Diese Abhängigkeit von globalen Märkten führt zu massiven Preisrisiken. So stieg der Erdgaspreis allein Ende Februar 2026 innerhalb weniger Tage um fast 70 % aufgrund geopolitischer Spannungen.
  • Da Gaskraftwerke oft preissetzend für den Börsenstrompreis sind, schlagen diese Schwankungen direkt auf die Stromkosten für Unternehmen und Verbraucher durch.

5. Das Risiko des „Lock-in“-Effekts

Die geplanten Subventionen in Milliardenhöhe für neue Gaskraftwerke bergen die Gefahr, dass wir uns langfristig an eine fossile Infrastruktur binden (Lock-in-Effekt). Dies könnte den Weg für sauberere Alternativen blockieren und das Ziel der Klimaneutralität 2045 gefährden.

Fazit: Zeit für echte Alternativen

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass der Fokus der Politik nicht einseitig auf dem Bau neuer Gaskraftwerke liegen sollte. Stattdessen müssen Flexibilitätspotenziale priorisiert werden:

  • Ausbau von Großbatteriespeichern und bidirektionalem Laden.
  • Nutzung von Bioenergie und grünem Wasserstoff.
  • Förderung von Lastflexibilisierung in der Industrie.

Klimafreundliche Technologien können die Versorgungssicherheit oft zu vergleichbaren Kosten oder sogar mit geringeren Subventionen gewährleisten, wenn man die gesamtgesellschaftliche Perspektive einnimmt. Es ist Zeit, die „fossile Brücke“ kritisch zu hinterfragen, bevor wir Milliarden in eine teure Sackgasse investieren.

Quelle: Kurzstudie „Teure Option für die Versorgungssicherheit: Die wahren Kosten von Strom aus Erdgas“, Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS), März 2026.

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